Reinventing Mobile Payment-Event

Mobile Payment – also das Bezahlen von Einkäufen am (Offline-) POS mit dem Smartphone – ist derzeit in der Branche ein heißes Thema. Auch wenn die Transaktionsvolumina heute noch gering sind, wird im Allgemeinen davon ausgegangen, dass sich das Thema in den kommenden Jahren rasant entwickeln wird. Warum auch nicht: Die Digitalisierung sämtlicher Alltags-Prozesse wird auch vor dem Bargeld nicht Halt machen. Und Kartenzahlungen sind zwar in gewisser Weise bereits „digital“, allerdings leistet die Karte heute im Prozess nichts weiter als die Übermittlung der Zahlungsdaten. Es gibt somit viel Phantasie für POS-Bezahlprozesse mit dem Smartphone, die mindestens so schnell und einfach funktionieren wie Bargeld oder Karte heute und die durch zusätzliche Funktionen für den Endkunden (und auch für den Handel) echte Mehrwerte bieten.

Das Event

Genau darum ging es im Workshop „Reinventing Mobile Payment“ am letzten Juni-Wochenende in Berlin. Entstanden aus einer Twitter-Diskussion zwischen André Bajorat (Gründer von figo und erfahrener FinTech-Experte) und Maik Klotz (Autor und Speaker zu den Themen Mobile, Banking und Payment) haben die beiden gemeinsam mit Marcus Hauer (Design Thinker, Berater und Unternehmer) diese Veranstaltung angestoßen (ein großes Dankeschön dafür!). Gemeinsam haben sich die ca. 20 Teilnehmer Gedanken über die Zukunft des mobilen Bezahlens gemacht. Darunter waren u.a. Gründer und führende Köpfe verschiedener junger Payment-Anbieter (u.a. Yapital, Lendstar, Cashcloud), Vertreter größerer Unternehmen (u.a. Deutsche Post, DZ Bank, Payback) und weitere wie Anwälte (mit Fokus Bankrecht), Designer, Beratungsunternehmen (u.a. IBM, zeb) und Softwareentwickler. Insgesamt eine bunte Sammlung vielfältiger Kompetenzen, die die relevantesten Perspektiven auf das Thema Payment abdecken. Dank toller Räumlichkeiten von Orderbird konnte echte StartUp-Atmosphäre als beste Voraussetzung für kreative Diskussionen geschaffen werden.

Wie sieht das Mobile Payment der Zukunft aus?

Einig waren sich alle, dass es einige zwingende Voraussetzungen für ein erfolgreiches Produkt gibt:

  • Vorteile für Nutzer und Händler gegenüber heutigen Zahlungsmethoden bereits im eigentlichen Payment-Prozess (wobei hohe Sicherheitsstandards zwingend sind)
  • Einfachste Registrierung und Bedienung der Lösung
  • Möglichst hohe Verbreitung im Handel und „universelle Einsetzbarkeit“ (also weg von händlerindividuellen Lösungen, hin zu „einer“ zentralen Lösung)
  • Zusatzfeatures zur Schaffung echter Mehrwerte (z.B. Einbindung von Loyalty-Programmen, Einsetzbarkeit auch im Online-Handel, Big Data-Intelligenz für Zusatzdienste, Abbildung auch von P2P-Zahlungen)

Um diese Kernforderungen herum wurden viele kreative Ansätze entwickelt. So entstanden Ideen zur vollständigen Veränderung von Einkaufsprozessen im Handel (Self Checkout ohne zentrale Kassen) oder zur Ermöglichung anonymer Einkäufe auch unter Einsatz des eigenen Smartphones (dies ist ja einer der wesentlichen Vorteile von Bargeld). Zudem ist eine Kernidee, dass die eigentliche Payment-Lösung über definierte Schnittstellen (nach Nutzerfreigabe) auch Daten an weitere Anwendungen bereitstellen sollte, die dann zur Erhöhung des Einkaufserlebnisses im Handel beitragen können (z.B. Nahrungsmittel-Unverträglichkeiten oder Kleidergrößen). Alle Teilnehmer waren sich einig, dass die generierten Ideen eine gute Ausgangs-Basis für weitere Diskussionen zum Thema bilden, so dass „Reinventing Mobile Payment 2.0“ bereits in den Startlöchern steht.

Bedeutung für Banken

Die Zahlung am POS ist eine der wenigen Aktivitäten bei denen Kunden ihre Bank im Alltag wahrnehmen, alleine über das Logo auf der eingesetzten Karte. Das „Spielfeld“ Mobile Payment übernehmen derzeit aber zunehmend andere: Kleine Startups, große Nicht-Banken oder die US-Internetkonzerne (Paypal ist eine Ebay-Tochter). Damit verlieren deutsche Banken nach und nach einen stark frequentierten Touchpoint zu ihren Kunden und damit zusehends auch den so wichtigen direkten Kundenzugang. Gleichzeitig bestehen für Banken große Chancen, da Kunden eine Payment-Lösung am liebsten über ihre Bank beziehen würden (so zumindest das Ergebnis einer Studie vom Steinbeis Research Center for Financial Services). Banken haben also Möglichkeiten zu agieren, müssen dafür aber sehr kurzfristig zu einer idealerweise gemeinsamen Lösung kommen, die Kunden und Händler gleichermaßen überzeugt. Vorreiter ist hier die englische Payment-Lösung Paym, zu deren Entwicklung sich die größten Banken des Landes (u.a. Barclays, HSBC, Bank of Scotland) zusammengeschlossen und gemeinsam ein Produkt auf den Markt gebracht haben. Über die Funktionsvielfalt dieses Produktes kann man diskutieren, aber auch dies ist ein Element erfolgreicher Digital-Strategien: Marktgewinner ist nicht zwingend das vollständigste Produkt, sondern mit nicht geringer Wahrscheinlichkeit auch das „erste“ Produkt, das gewisse Mindestanforderungen erfüllt.

 

Sprechen Sie uns gerne an!

Dr. Jörg Howein/ Autor BankingHub

Dr. Jörg Howein

CPO solarisBank AG

Analysen, Artikel, Interviews und News rund um Trends & Innovation im Banking alle zwei Wochen kompakt für ihr Postfach.

Kommentare

2 Antworten auf “Reinventing Mobile Payment-Event

  • R. Klinger

    Mit der Einführung von ApplePay mit dem 9.9.2014 und dem hohen Marketshare von iOS und Apple Devices wird sicherlich mehr Schwung in die GThematik Mobile Payment kommen.

    Antworten

    • BankingHub

      Da bin ich jetzt auch gespannt auf die neuen Dynamiken. Wobei sich ja Apple – wenn ich das richtig gesehen habe – noch nicht zum Rollout von ApplePay in Europa/Deutschland geäußert hat. Für die vielen kleinen Payment-Startups hier bei uns wird aber der Markteintritt dadurch sicher nicht einfacher… Das Thema bleibt spannend!

      Antworten

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Abonnieren Sie unseren Newsletter

Erhalten Sie alle 2 Wochen die neuesten Analysen und Berichte unserer Banking-Experten.

Send this to a friend