Gegen Inflation mit ETFs investieren und bezahlen

Das Berliner FinTech UnitPlus bietet seit dem 5. Mai die weltweit erste Geldanlage mit ETF-basierter Bankkarte an. Damit kann Geld renditeorientierter angelegt werden, und gleichzeitig kann mit dem Investment jederzeit kostenlos bezahlt werden. Doch kann das wirklich funktionieren? Wir haben die drei Gründer/-innen Fabian Mohr, Kerstin Schneider und Sebastian Segue zu UnitPlus befragt.

Die Deutschen bleiben ihrem Sparbuch treu

Das geht aus einer aktuellen Umfrage im Auftrag des Bundesverbands deutscher Banken (BdB) hervor. 45 % der Befragten gaben an, Geld auf dem Sparbuch zu parken. Gegenüber den vergangenen Jahren ist dieser Anteil unverändert geblieben. Doch eine gestiegene Inflationsrate und eine niedrige Verzinsung lassen diese traditionelle Form der Geldanlage immer unattraktiver erscheinen.

Die drei Gründer/-innen von UnitPlus haben sich deshalb zum Ziel gesetzt, Sparenden die Möglichkeit zu geben, ungenutztes Geld einfach und flexibel am Kapitalmarkt anzulegen.

Zentrale Bankingthemen und -trends aus Sicht der UnitPlus-Gründer/-innen

Ihr drei seid alle tief mit der Finanzbranche verbunden. Was sind für euch aktuell die wichtigsten Themen hinsichtlich der Digitalisierung des Bankings?
Die digitale Transformation ist schon seit geraumer Zeit ein Dauerthema für Banken. Damit einher geht die Entwicklung von kundenzentrierten Lösungen. Insbesondere im Asset Management wurden viele Jahre Kernkompetenzen wie eine klare Marktausrichtung und die Analyse und das Management von Kundendaten vernachlässigt. Dies führte dazu, dass Produkte und Services oftmals nicht den Bedürfnissen der Kunden entsprochen haben und zu komplex ausgestaltet waren. Aus unserer Sicht ist es entscheidend, sich mit klar verständlichen Angeboten, die auf konkrete Kundenbedürfnisse eingehen, zu positionieren.

Zwei weitere wichtige Themen sind unseres Erachtens der Megatrend Nachhaltigkeit und das Open Banking.

Ersteres ist spätestens seit dem Green Deal der EU im allgemeinen Bewusstsein angekommen. Sowohl die sozialen als auch die ökologischen Facetten sollten bei der Gestaltung der Produkte und innerhalb der Organisation verankert werden. Open Banking ermöglicht auf Grundlage von Datenstrukturen wie dem Ein- und Ausgabeverhalten auf Bankkonten, deutlich personalisierte Anlageentscheidungen zu treffen.

Beide Entwicklungen wurden durch die Coronapandemie verstärkt: zum einen, weil mit der Pandemie ein stärkeres Bewusstsein für eine intakte Natur und resiliente Wirtschaft entstanden ist, zum anderen, weil Menschen durch die Pandemie noch einmal verstärkt digitale Kanäle zur Geldanlage, aber auch zum Bezahlen nutzen.

Dabei wird insbesondere das Smartphone zur Abwicklung immer beliebter. Während 2015 der Anteil der Smartphone-Banking-Nutzenden noch bei 34 % lag, ist er im Jahr 2021 auf 64 % gestiegen.[1]

Von der Idee der einfachen Geldanlage zur ETF-basierten Umsetzung

Fabian, du kennst die Anlagewelt gut und warst vormals bei dem Vermögensverwalter Flossbach von Storch als Aktienanalyst tätig. Was hat dich persönlich motiviert, UnitPlus gemeinsam mit Kerstin und Sébastien zu gründen?
In meiner Zeit als Aktienanalyst bei Flossbach von Storch habe ich mir oft die Frage gestellt, warum Geldanlage immer noch ein Thema ist, mit dem sich die wenigsten Menschen beschäftigen. Die Deutschen lieben das Sparbuch. Knapp 3 Billionen Euro liegen aktuell auf Giro-, Tages- und Festgeldkonten –  und das trotz steigender Inflationsraten. Das hat mich motiviert, eine Geldanlage zu entwickeln, die so einfach und flexibel ist, wie Geld auf dem Konto zu parken.

Als ich im Februar 2020 Jack Dorsey, Mitgründer von Twitter, kennenlernte, beschloss ich, diese Anfangsidee weiterzuverfolgen. Meine Mitgründer/-innen Kerstin und Sébastien und ich entwickelten die Idee in den kommenden Monaten nicht nur kontinuierlich weiter, sondern setzten uns zum Ziel, langfristig das PayPal für Asset Management zu werden. Besonders spannend waren dabei die unterschiedlichen Perspektiven und Hintergründe, die wir durch unsere vorherige Berufserfahrung und Herangehensweisen mitbrachten und die letztlich dazu führten, dass wir UnitPlus im Januar 2021 offiziell gründeten.

Wie würdest du, Kerstin, den Kundenmehrwert von UnitPlus kurz zusammenfassen?
Wenn das Geld ungenutzt und zinslos auf Giro-, Tagesgeldkonten und Sparbüchern liegt, verliert es insbesondere unter der aktuellen Inflationsrate mehr und mehr an Kaufkraft. Gleichzeitig ist die deutsche Aktienkultur weniger entwickelt, verglichen beispielsweise mit den Niederlanden.

Unsere Lösung: Einfachheit und Flexibilität bei der Geldanlage am Kapitalmarkt in den Fokus von UnitPlus zu stellen. Aus diesem Grund haben wir ein Anlagekonto mit zugehöriger Bankkarte entwickelt, die das Geld sinnvoll und nach der eigenen Risikoorientierung bis zu dem Zeitpunkt anlegt, an dem es ausgegeben werden soll.

Darüber hinaus möchten wir Geldanlage einfach und kundenzentriert gestalten. Unser Ziel ist es, durch ein automatisiertes und innovatives Angebot, die Hürde zur ETF-basierten Geldanlage zu senken und mehr Menschen zu ermutigen, sich aktiv mit den Themen Investieren und Geldanlage auseinanderzusetzen, ohne dabei Angst haben zu müssen, nur mit viel Aufwand wieder an das investierte Geld zu kommen.

Herausforderungen bei der Entwicklung

Ihr seid vor Kurzen mit UnitPlus „live“ gegangen. Wie erleichtert warst du Sébastien, dass der Start so reibungslos funktioniert hat? Und was waren für euch die Herausforderungen kurz vor und nach dem Go-live?
Wir freuen uns sehr, dass UnitPlus nach ca. 12 Monaten Entwicklung „live“ ist und bedanken uns für die hohe Resonanz von Interessentinnen und Interessenten. Für uns ist das ein bedeutender Meilenstein. Ein wesentlicher Erfolgsfaktor war aus meiner Sicht das gesamte UnitPlus-Team, das viel Leidenschaft und Energie in die Entwicklung und Vermarktung gesteckt hat. Dabei haben wir auch prominente Unterstützung von Katrin Stark (COO Orderbird), Christian Rebernik (vormals Technikchef bei N26) und Ex-Amazon-Deutschland-Chef Lothar Eckstein bekommen, die Teil unseres Advisory-Boards geworden sind.

Die Herausforderungen bei der Entwicklung waren insbesondere dadurch begründet, dass wir die weltweit erste Anlage-Konto-App sind, die Investieren und Bezahlen zusammenbringt. Es gab nicht die Möglichkeit, uns an bestehenden FinTechs und Umsetzungsbeispielen zu orientieren. Ein besonderes Hindernis stellte die Überbrückung der Zeitspanne zwischen Bezahlung mit der Karte und Geldeingang beim Verkäufer dar.

Beispiel: Sobald ich Donuts im Wert von 20 Euro mit meiner UnitPlus-Karte bezahle, wird ein Teil meines ETF-Depots verkauft. Diese Transaktion wird sofort am POS beim Verkäufer ausgeführt. Bis der ETF-Verkauf jedoch vollständig abgewickelt ist, vergehen ein bis zwei Tage. In unserer neu entwickelten Lösung wird dieser „Time Lag“ mithilfe unserer Partnerbank überbrückt. Nutzende bekommen von dieser Abwicklung im Hintergrund nichts mit.

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Zielgruppe von UnitPlus

Das meiste Kapital ist laut Deutschem Aktieninstitut bei den über 60-Jährigen zu finden (3,9 Millionen Euro im Jahr 2020). In den letzten Jahren hat aber vor allem die junge Generation die Börse für sich entdeckt. So wagten sich fast 600.000 junge Erwachsene unter 30 in 2020 neu an die Börse – ein Anstieg von 67 % im Vergleich zum Vorjahr. Wo seht ihr eure Zielgruppe für UnitPlus?
Unser Ziel ist es, mit einer einfachen und mobilen Lösung Geldanlage smart und kundenzentriert zu gestalten. Dabei glauben wir, dass Geldanlage für alle relevant ist. Gerade auch für Kunden, die vorher selbst nicht aktiv am Kapitalmarkt waren oder Varianten mit hoher Komplexität nicht vertraut haben, bieten wir das passende Produkt an.

Durch die Wahl des mobilen Kanals sind wir zudem immer verfügbar und bieten auch für die jüngere Generation ein attraktives Angebot. Auch wenn wir uns als smarte Geldanlage für Millennials positionieren, ist es für uns ebenso schön zu sehen, dass bei unserer aktuellen Nutzerbasis in der jetzigen Altersstruktur von 18 bis 78 alles dabei ist.

Eine goldene Regel beim Investieren besagt, dass nur das zu investieren ist, auf das man mindestens mittelfristig verzichten kann. Wie wird das bei UnitPlus gewährleistet?
UnitPlus möchte sich auf das Geld fokussieren, das am Ende des Monats nach Abzug der monatlichen Ausgaben und Rücklagen für Notfälle übrig bleibt. Konkret bedeutet dies, dass über eine Open-Banking-Schnittstelle Einnahmen und Ausgaben von dem Referenzkonto, meist das typische Girokonto, analysiert werden und einmal im Monat ein Betrag ermittelt wird, der auf dem UnitPlus-Konto angelegt werden kann.

Bei der Geldanlage können die Nutzer/-innen, je nach Risikobereitschaft, eine Gewichtung zwischen Aktien- oder Anleihen-ETFs auswählen. Eine Anlage des kompletten Vermögens ist ebenfalls möglich. Wir animieren jedoch nicht dazu, das ganze Geld anzulegen, und informieren Interessierte auf unseren Kanälen über Risiken und Chancen der Geldanlage.

„Banking in zehn Jahren ist …“

Zu guter Letzt: Wie würdet ihr den folgenden Satz vervollständigen? „Banking in zehn Jahren ist …“
… smart. Obwohl das Wort in den vergangenen Jahren sehr inflationär verwendet wurde, sind wir der Überzeugung, dass Investieren so einfach wie Sparen sein sollte. Zudem sollten die Geldanlage und weitere Bankleistungen jederzeit bequem zugänglich und individuell auf die Kundenbedürfnisse zugeschnitten sein. Das Wort „smart“ verbinden wir daher mit innovativen, kundenzentrierten E2E-Lösungen.

Vielen Dank euch dreien für die interessanten Einblicke in UnitPlus!

[1] Smartphone-Banking – Nutzung in Deutschland 2021, Statista.

Kommentare

Eine Antwort auf “Gegen Inflation mit ETFs investieren und bezahlen

  • Bianca

    Der Artikel ist sehr spannend und das Thema ETF’s scheint mir wirklich interessant zu sein. Dieser Artikel hat mir wirklich geholfen, das Thema „Gegen Inflation mit ETFs investieren und bezahlen“ zu verstehen. Danke für eure Arbeit.

    Antworten

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